DISOBEDIENCE!
Kongress für Zivilen Ungehorsam

06.10. bis 08.10. 2017
FORUM STADTPARK, Graz, Österreich

„Ziviler Ungehorsam ist kein Schmuddelkind der Demokratie, sondern deren Leuchtfeuer!“ (Peter Grottian)

Für viele soziale Bewegungen, denen es gelang wichtige gesellschaftliche Fortschritte zu erwirken, waren Formen gewaltfreien zivilen Ungehorsams ein entscheidender Faktor für maßgebliche Erfolge. Nicht nur Ikonen wie Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Rosa Parks, sondern Millionen Menschen setzten weltweit mutig ihre Körper ein, um soziale und ökologische Verbesserungen zu erstreiten. Ohne Aktionen zivilen Ungehorsams würden wir heute in einer erheblich schlechteren Welt leben.

In den letzten Jahren ist eine deutliche Zunahme ungehorsamer Praxen zu beobachten. Immer mehr Menschen erkennen das Ausmaß der sich verschärfenden sozial-ökologischen Krise und die Notwendigkeit mutiger zivilgesellschaftlicher Interventionen. Im deutschsprachigen Raum erregten u.a. große Blockaden rechtsextremer Veranstaltungen und die Besetzungen riesiger Kohletagebaue durch tausende Menschen in weißen Schutzanzügen im Zuge von Ende Gelände große Aufmerksamkeit. Zuletzt versuchten hunderte Nürnberger Berufsschüler*innen die Abschiebung eines Mitschülers nach Afghanistan mit einer Sitzblockade zu verhindern. Damit machten sie vielen Menschen neuen Mut, die sich für Refugees eingesetzt und sich angesichts ständiger Asylrechtsverschärfungen und zunehmender Abschiebungen immer ohnmächtiger gefühlt hatten.

In Hamburg gelang es Anfang Juli Aktivist*innen aus aller Welt mit bunten Blockaden den G20-Gipfel, im Rahmen dessen einige der Hauptverantwortlichen für die Zerstörung unserer Welt zusammenkamen, erheblich zu behindern. Auch 20.000 (vielfach gewalttätige) Polizist*innen konnten sie nicht davon abhalten, die 38 Quadratkilometer große Protestverbotszone, die die Regierung eingerichtet hatte, ausser Kraft zu setzen und damit einen wichtigen Sieg für Versammlungsfreiheit und Demokratie zu erringen. In Graz waren zu Beginn des Jahres viele überrascht als die zerstörerischen Bauarbeiten für das Murkraftwerk, das große Teile der Bevölkerung entschieden ablehnen, über Wochen hinweg mit Mitteln friedlichen zivilen Ungehorsams immer wieder gestoppt werden konnten.

Vor allem für junge Menschen ist die Teilnahme an ungehorsamen Aktionen aufregend und inspirierend. Das dabei erlebte Gefühl kollektiver Selbstermächtigung generiert Hoffnung und Motivation. Insgesamt sind Praxen zivilen Ungehorsams umstritten. Die weiteren gesellschaftlichen Entwicklungen könnten in erheblichem Ausmaß davon abhängen, wie sich die diesbezüglichen Diskurse weiter entwickeln. Gelingt es neoliberalen, konservativen und rechtsextremen Kräften, zivilen Ungehorsam zu diskreditieren, zu kriminalisieren und durch Repression erfolgreich zu bekämpfen, oder schaffen es Bewegungen und Initiativen, dessen Notwendigkeit, Legitimität und Attraktivität auch breiteren Gesellschaftsschichten zu vermitteln und noch mehr Menschen zum Mitmachen zu motivieren?

Der DISOBEDIENCE-Kongress will zivilen Ungehorsam breit thematisieren und Einblick in verschiedene Praxen geben. Ein spannendes Programm an Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen und Workshops soll zum Hinterfragen bisheriger Sichtweisen anregen, inspirieren und Mut machen.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Freiwillige Unkostenbeiträge sind sehr willkommen!

Unkostenbeiträge:
Unser Programm soll für alle Interessierten zugänglich sein soll. Daher verlangen wir keine fixen Eintrittspreise. Freiwillige Unkostenbeiträge sind allerdings essentiell, um den Kongress möglich zu machen. Wir bitten um eure Beiträge nach Selbsteinschätzung!

Veranstalter_in: System Change, not Climate Change!

Wir danken allen Menschen und Kooperationspartner*innen, die diesen Kongress ermöglichen!

Veranstaltungsort:

FORUM STADTPARK
Stadtpark 1, 8010 Graz, Österreich
www.forumstadtpark.at

Das FORUM STADTPARK ist ein Produktions- und Präsentationsort für zeitgenössische Kunst sowie kultur- und gesellschaftspolitischen Diskurs. Organisiert als Künstler_innenverein, steht das Haus für einen erweiterten Kunstbegriff und für spartenübergreifendes Arbeiten in den Bereichen Architektur, Literatur, Bildende Kunst, Film, Musik, Theater, Performance und Gesellschaftspolitik.

Es ist der Anspruch des Hauses, Labor und Plattform für viele Szenen der lokalen, österreichischen und internationalen Kulturproduktion zu sein. Gegründet wurde das FORUM STADTPARK 1959 in Graz, unter anderem von Othmar Carli, Gustav Zankl, Siegfried Neuburg, Emil Breisach und Günter Waldorf. Sie adaptierten das leer stehende Grazer „Stadtpark-Cafe“ für Kunstveranstaltungen. Der Name FORUM STADTPARK bezeichnet deshalb sowohl die Aktionsgemeinschaft, als auch den Ort mit der Anschrift Stadtpark 1.

Heute finden pro Jahr etwa 150 Veranstaltungen im FORUM STADTPARK statt – der Großteil davon bei freiem Eintritt. Das Haus ist darüber hinaus barrierefrei zugänglich, verwendet Open Source Software, fährt mit Ökostrom und ist rauchfrei.


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